\story{Die Stoppschilder meines Körpers}

Mein Partner hat mir mal gesagt: \quote{Ich weiß gar nicht, wie ich dich
  anfassen darf. Dein Körper fühlt sich manchmal an, als wäre er voller
  großer, roter Stoppschilder.}\\
Das hat mich betroffen gemacht, denn er
hatte recht. Das waren meine ganzen Grenzen, die ich nicht formulieren
konnte, aber die mein Körper trotzdem zeigte. Ich verkrampfte mich,
knäulte mich zusammen, zog meine Arme vor die Brust. Ich wollte nicht
dieses Stoppschild sein. Ich wollte offen und lustvoll sein, doch mein
Körper hatte einen anderen Plan.

Als ich jünger war, hatte ich verschiedene Erfahrungen damit gemacht,
meine Grenzen zu kommunizieren. Manchmal wurden sie akzeptiert, aber ich
wurde anschließend drei Tage lang mit schlechter Laune bestraft. Oder
sie wurden ignoriert. Ich lernte: Mit meinen Grenzen werde ich nicht
angenommen, nicht geliebt, mit ihnen bin ich nicht genug. Daraufhin habe
ich versucht, sie zu ignorieren – erfolglos.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie mein Körper reagiert hat, als
ich eine Grenze kommuniziert habe und sie liebevoll und respektvoll
angenommen wurde. Plötzlich war so viel möglich; ich habe mich sicher
gefühlt und mein Körper wurde ganz weich.

Noch immer fällt es mir
schwer, ehrlich zu meinen Grenzen zu stehen, aber ich übe weiter.

\question{Wo in deinem Körper spürst du deine Grenzen?}
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\question{Warum ist es manchmal so schwer, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und zu kommunizieren?}
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\question{Denke an eine Situation, in der du deine Grenzen nicht kommuniziert hast und schreibe sie im Kopf neu: Wie hättest du dich gern verhalten und wie wäre dein Partner damit in der Idealvorstellung umgegangen?}
\Zeilen{14}
