\story{Darf ich mich wehren?}
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}

Ich habe diese Überwältigungsfantasien: Ich will gepackt werden.
Unterworfen. Hart angefasst.

Irgendwann habe ich mit meinem Partner darüber gesprochen. Er war offen,
neugierig. Wir haben es ausprobiert. Mehr als einmal.
Und trotzdem: Es blieb flach.\\
Er wollte es \quote{richtig} machen.\\
Ich kam mir undankbar vor, weil es mir nicht genügte. Seine Hände waren
zu vorsichtig. Mein Kopf blieb laut. Ich bewertete ihn in seiner
Zaghaftigkeit. Ich wollte seine Kraft spüren. Seine körperliche
Überlegenheit. Dass er mich nimmt. Und gleichzeitig fühlte es sich
absurd an, genau das einzufordern.

Also fragte ich etwas anderes: \quote{Ist es okay, wenn ich mich
  wehre?}\\
Bevor ich den Satz aussprach, erschien er mir skurril, aber dann war er
einfach wunderbar und klar.\\
Er stimmte zu.\\
Ich begann langsam. Wand mich. Zog an ihm. Ich spürte, wie sein Griff
fester wurde. Entschlossener. Bis ich ganz unter seiner Kontrolle war.
Es war wahnsinnig lustvoll.\\
Meine Gegenwehr wurde zu einer Sprache. Ich konnte zeigen, wie viel ich
brauche.\\
Er konnte mutiger werden, ohne zu raten.\\
Wir waren plötzlich
viel näher beieinander – körperlich und innerlich.

Im Nachhinein blieb vor allem dieses Gefühl:
Reden hat uns nicht aus dem Moment geworfen, sondern ihn überhaupt erst
möglich gemacht.

\question{Überwältigungsfantasien sind weit verbreitet. Machen sie dich an? Und wie geht es dir damit, solche Fantasien zu haben?}
\Zeilen{15}

\question{Gibt es Teile dieser Fantasien, die du lieber nur in deinem Kopf genießt?}
\Zeilen{15}

\question{Was bräuchtest du für ein Setting (Sicherheit, Worte, Person), um so ein Machtspiel wirklich genießen zu können?}
\Zeilen{15}
