\story{Egoistisches Begehren}

Ich spürte noch das wohlige Zucken tief in meinem Innern. Mein ganzer
Körper kribbelte, während die Ekstase langsam abebbte. Er hatte mich
geleckt – zärtlich, hingebungsvoll, wundervoll –, und ich genoss den
Moment vollkommener Hingabe.\\
\quote{Hast du Lust, ihn in den Mund zu nehmen?}, fragte er leise. Ich
stockte mitten im Atemzug, hielt einen Moment inne.\\
Wollte ich das? Ganz ehrlich: Nein. Ich wollte einfach nur bei mir sein,
dem Gefühl nachspüren und die Ruhe  genießen.\\
Aber ist das nicht unfair? Wo er sich doch gerade so liebevoll um mich
gekümmert hatte …\\
Ein NEIN, das ich früher übergangen hätte – aus Pflichtbewusstsein, für
den Ausgleich, aus Angst vor Ablehnung. Doch wir beide hatten uns einen
so ehrlichen, heilsamen Raum geschaffen, dass sich ein falsches
\quote{ja} gefährlich anfühlte.

\quote{Komm schon! Tu es!} forderte der Drache in mir. \quote{Sonst
  musst du es dir beim nächsten Mal selbst machen. Er wird gehen, wenn
  du ihn nicht zufriedenstellst.}

\quote{Nein}, sagte ich deutlich, auch wenn mein Blick sich fast
entschuldigend in seinem verfing. \quote{Ehrlich gesagt gerade nicht.}\\
Er sah mich anerkennend an und zuckte entspannt die Schultern.
\quote{Hast du was dagegen, wenn ich es mir selbst mache?}, fragte er
dann.\\
Ich grinste erleichtert. \quote{Nein, überhaupt nicht.}

Neugierig beobachtete ich ihn, während er sich selbst berührte, und
streichelte seinen Körper. Ich genoss seine Lust, während ich einfach
nur da sein durfte. Und dabei geschah etwas Unerwartetes: Die Hitze
kehrte zurück. Ich spürte die Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln
immer deutlicher, bis ich begann, ihn innig zu küssen.\\
\quote{Streichelst du meine Brüste?}, fragte ich kühn, im vollen
Bewusstsein, dass ich nun sogar noch  etwas forderte. \quote{So gern},
gab er prompt zurück. Ich verlor mich in seinen Berührungen, bis die
Lust wieder so stark wurde, dass ich es kaum noch aushielt.\\
\quote{Ich will dich in mir spüren}, flüsterte ich. \quote{Hast du
  Lust?}\\
\quote{Immer, Liebste}, antwortete er und wir genossen die liebevolle
Verbindung, die unser beider Körper als brandende Wellen durchlief, bis
wir uns zum Schluss ineinander verloren – jeder ganz bei sich und doch
vollkommen eins.

\question{Hast du schon einmal erlebt, dass du zu etwas Nein gesagt hast und dadurch ein anderes Ja spüren konntest?}
\Zeilen{15}

\question{Was würdest du dir alles wünschen, wenn es nur um deinen Genuss gehen würde?}
\Zeilen{15}

\question{Wie fühlt sich die Vorstellung an, genau danach zu fragen?}
\Zeilen{16}
