\story{Selbstfürsorge}

Beim Pubcrawl in Sofia traf ich João. Er war nicht ganz mein Typ, aber er
hatte eine tolle Ausstrahlung. Im Verlauf des Abends lachten wir viel,
tanzten viel und warfen mehr und mehr ein Auge aufeinander. Als die
Party sich dem Ende zuneigte, gingen wir zu ihm.\\
Rumknutschen, Ausziehen – das Vorspiel nahm Fahrt auf und machte Spaß.
Bis wir feststellten, dass er keine Kondome hatte und wir also auch
keinen Penetrationssex haben konnten. Direkt fühlte ich den Druck, auf
anderem Wege für sein Glück zu sorgen. Es ist ja meine Aufgabe als Frau,
ihn, auf welchem Weg auch immer, zum Höhepunkt zu bringen. Aber ich
wollte ihm in dieser ersten Nacht keinen Blowjob geben.\\
Ich überlegte gerade, wo meine Grenzen und wo meine Motivation lagen, um
das Spiel mitzuspielen. Da nahm er seinen Penis in die Hand und kümmerte
sich selbst um seinen Orgasmus. Ohne Druck, ohne Vorwurf, ohne mich
schlecht fühlen zu lassen.\\
Und ich erlebte zum ersten Mal einen Mann, der masturbierte und der
dabei meine Rolle als Frau beim Sex revolutionierte. Es ist nicht meine
Aufgabe, für den Orgasmus meines Gegenübers zu sorgen. Ich darf
entspannen, ich darf die Verantwortung für die Lust meines Partners bei
ihm lassen.

\question{Wie findest du es, wenn dein Gegenüber es sich selber macht?}
\Zeilen{15}

\question{Wie findest du es, es dir selbst zu besorgen und deinem Gegenüber dabei nah zu sein?}
\Zeilen{15}

\question{Wann hattest du das letzte Mal den Impuls, es für ihn zu Ende bringen zu müssen?}
\Zeilen{15}
