\story{Wie es mir gefällt}

Penetrativer Sex – also \quote{echter} Sex. Der Sex, der wirklich zählt.
Der, nach dem du keine Jungfrau mehr bist. Der, den die Leute meinen,
wenn sie \quote{Sex} sagen. Der, auf den es hinausläuft, denn alles
andere ist nur Vorspiel. Dieser Sex. Den kann ich oft nicht so ganz
genießen. Bei dem bin ich oft im Kopf, statt in meinem Körper. Ich will
gefallen und nichts falsch machen. Ich will, dass es klappt. Dass ich
keine Schmerzen habe und er so in mich reinstoßen kann, wie er mag. Dass
er am Ende denkt: \quote{Das war guter Sex.}

Diese Gedanken werden mal lauter, mal leiser. Manchmal so leise, dass
ich mir ihrer nicht mehr bewusst bin. Aber meistens ist da im
Hintergrund trotzdem irgendwas, das mich nicht ganz vom Denken zum
Fühlen umschalten lässt. Ich bin im Kopf so bei der Rolle, die ich
vermeintlich spielen muss, dass ich gar nicht so richtig hinspüre: Wie
fühlt sich das eigentlich gerade für mich an? Ich erinnere mich an eine
Situation, in der ich das Gefühl der Penetration neu erfahren habe. Ohne
Performance und ohne Erwartungen. Allein.

Irgendwie war mir nie in den Sinn gekommen, einen Dildo zu kaufen. Es
schien mir nicht sinnhaft, mir ein Toy zu kaufen, das einfach nur ein
Penis ohne Mensch dran ist. Bei Penetration geht es doch irgendwie um
Performance und seine Befriedigung. Warum sollte ich also für mich ein
Sextoy in Form eines Penis kaufen? Für wessen Lust? Meine? Ich weiß gar
nicht mehr so genau, warum ich dann doch einen gekauft habe. Neugier,
vermutlich. Ich habe einen Post gelesen, in dem eine Frau erzählt hat,
dass sie am liebsten mit einem Dildo masturbiert. Und ich habe einen in
Rosa mit Glitzer entdeckt. Ich glaube, das hat mich dann final
überzeugt.

Nun liege ich also in meinem Bett. Nur ich und ein rosa, glitzernder,
erigierter Penis ohne Mensch dran.\\
Ohne jemanden dran, dem ich gefallen will.\\
Ohne eine Situation, in der \quote{richtiger} Sex nun angebracht
wäre – es ist ja immerhin das dritte Date und sowieso.\\
Ohne \quote{Das sollte jetzt schon gut werden, ich will ihn nicht
  enttäuschen.}\\
Ohne Male Gaze dran.\\
Ich, alleine in meinem Bett. Erstmal wie immer: Ich
liege hier, bereite mir selbst Lust. Stille diesen unwiderstehlichen
Drang in mir. Mit dem einzigen Ziel, Lust zu spüren, immer mehr und
mehr. Nur diesmal mit einem neuen Spielzeug.

Als ich ihn einführe, bin ich zunächst überrascht davon, dass er so
einfach … reingeht? Dass es nicht wehtut, dass es keinen Widerstand gibt,
gegen den ich andrücken muss. Es fühlt sich gut an. Es fühlt sich wie
ein Penis in mir an. Groß, aber irgendwie weniger irritierend. Es sind
keine Körperteile eines anderen Menschen da, die limitieren, in welchem
Winkel er in mir ist oder wie ich mich positionieren kann. Ich muss an
nichts denken und spüre keinen Blick auf mir. Das ist neu und aufregend.
Zum ersten Mal kann ich diese Empfindung einmal nur fühlen, erkunden und
genießen.\\
In mir fühlt es sich an wie die richtig nicen Momente beim penetrativen
Sex, die ich schon kenne. Aber mehr davon. Ohne Stöße, die schmerzhaft
werden. Ohne die Etappen, in denen ich mich nicht wirklich stimuliert
fühle. In denen ich mich eher durchgeschüttelt als durchgefickt fühle
und ihn einfach machen lasse, weil es ihm wohl so gefällt. Als ich den
Dildo in großen Bewegungen rein- und rausbewege, merke ich, dass das
nicht so richtig was auslöst. Am besten fühlt es sich an, wenn er ganz
in mir ist, ich ihn stoßweise ein klein wenig weiter reindrücke und
dabei mit meiner Handfläche rhythmisch über meine Clit reibe. Ich komme
ziemlich oft an diesem Abend.

\question{Wie sähe das coolste Sextoy aus, das du dir vorstellen kannst? Hölzern, durchsichtig, neonfarben, leuchtend, glitzernd, flauschig, tentakelig, spitz, mattschwarz …?!}
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\question{Was magst du an Sex mit eindringen in deine Vagina und was magst du daran nicht?}
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\question{Erforscht du manchmal deine Lust nur für dich und probierst neue Dinge aus?}
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